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Newsletter vom 31.07.2026

Liebe Leserinnen und Leser,

herzlich Willkommen am ersten Ferientag in Bayern.

Ferienzeit ist auch Reisezeit, dazu passt die Geschichte von Frankreichs Wäldern:

Sie sind legendär wie die Forêt de Brocéliande, exotisch wie die Forêt de Guyane im Amazonas-Regenwald, als Welterbe geschützt wie die Buchenurwälder der Pyrenäen, duften würzig wie die Forêt des Landes und geben Wein, Cognac und Co. unnachahmliche Aromen: Frankreichs Wälder, die heute noch knapp 31 Prozent der Staatsfläche bedecken (Deutschland: 29 Prozent). Früher waren es 80 Prozent.
Frankreichs Wälder: eine kleine Zeitreise

Bis 500 v. Chr. war fast ganz Kontinentalfrankreich mit dichten Wäldern bedeckt, in denen die gallische Bevölkerung in befestigten Dörfern lebte. In der Römerzeit (ca. 1. Jh. v. Chr. bis 5. Jh. n. Chr.) begann die großflächige Abholzung für Landwirtschaft, Schiffbau und den Bau von Städten. Im 11. Jahrhundert teilten sich Klöster, Adlige und das Königshaus den Waldbesitz, was zu einer weiteren Abholzung führte.

Bereits im Jahr 1346 führte König Philipp VI. mit seinen Waldschutzgesetzen (ordonnances) erstmals gesetzliche Regeln zum Schutz des Waldes im französischen Königreich ein, um die Jagd zu sichern und Holzvorräte zu schützen. Vom 15. bis 18. Jahrhundert wurden die Wälder vor allem als Jagdgebiete des Adels und der Krone genutzt und viele Wälder als Jagdreviere reserviert und mit Mauern umgeben.

1669 führte Jean-Baptiste Colbert als Finanzminister des Sonnenkönigs Ludwig XIV. den Acte de la Forêt zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung ein. Colbert schützte die Wälder nicht aus ökologischer Liebe, sondern eiskalt strategisch für die Aufrüstung der Kriegsmarine gegen England. Die Eichen von Tronçais wurden geometrisch gepflanzt, damit sie Jahrhunderte später als Schiffsmasten dienen konnten – dass sie heute in Weinfässern landen, ist eine historische Ironie. Die Pyrenäen wurden zum wichtigsten Holzlieferanten für die Masten der königlichen Marine. Davon kündet bis heute der Chemin de la Mature.

1772 legte René-Antoine Férchauld de Réaumur die erste wissenschaftliche Untersuchung der Wälder vor, was zur Einführung neuer Baumarten wie Fichte, Tanne und Lärche führte. Im Jahr 1789, und damit zur Zeit der Französischen Revolution, nahmen Frankreichs Wälder nur noch etwa 26 Prozent des Mutterlandes ein. In den 1800er-Jahren begannen die ersten großflächiger Wiederaufforstungsprojekte, insbesondere in Gebirgen, um die durch Abholzung geschädigten Wälder zu regenerieren. 1916 tobte die Schlacht von Verdun im gleichnamigen Wald. Die Aufforstung der Forêt de Verdun machte diesen Wald zum Symbol für den Verlust und die Zerstörung durch Krieg.

In den 1980er-Jahren kam der Begriff le waldsterben als deutscher Exportschlager nach Frankreich. Besonders in der Region Grand Est litten die Wälder unter der Industrialisierung und dem einhergehenden sauren Regen, der großflächig die Waldbestände schädigte – ähnlich wie im Frankenwald oder im Fichtelgebirge, im Bayrischen Wald und im Böhmerwald. Doch während die Deutschen den Wald als romantisches Sehnsuchtsobjekt emotional betrauerten, sah Frankreich den Wald pragmatischer – bis die Dürren der Gegenwart das Bewusstsein radikal veränderten. Im 21. Jahrhundert sind Biodiversität und multifunktionale Waldbewirtschaftung die beiden wichtigsten Ansätze, um Frankreichs Wälder vor den Herausforderungen wie Klimawandel und Urbanisierung zu schützen.

Herzliche Grüße

Andreas Kühn

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